Hundehalter warnen vor Giftködern

Bearded Collie Nash aus Bitze starb trotz intensiver Behandlung

Bitze (rd). Shelby wirkt verstört und weicht Halterin Gisela Schäfer nicht von der Seite. Der 12jährige Rüde trauert um seinen zwei Jahre jüngeren Gefährten Nash, wie er ein Bearded Collie. Nach einem Spaziergang im November zeigte Nash Symptome wie Kurzatmigkeit, Erbrechen und Durchfall.

Die umgehend aufgesuchte Tierärztin diagnostizierte eine Vergiftung. Trotz intensiver Behandlung, darunter auch mehrfacher Konsultation einer Tierklinik in Frankfurt, verschlechterte sich Nashs Befinden stetig bis er wegen Leberversagens Ende Dezember von seinen Qualen erlöst werden musste, berichtet Schäfer. In ihre Trauer mischt sich neben Empörung und Wut auch Kampfgeist. Neben den Qualen des Tieres und der persönlichen emotionalen Belastung, seien 5.000 Euro Behandlungskosten angefallen. Dieses Treiben von Hundehassern dürfe nicht länger hingenommen werden.
Nash ist nicht das erste Opfer von Vergiftung im Wohnumfeld Schäfers. Allein im letzten halben Jahr seien fünf Hunde zu Schaden gekommen berichten sie und Nachbarin Martina Wagner, ebenfalls Hundehalterin. Die Opfer und ihre Familien sind ihnen bekannt, alle führen ihre Vierbeiner regelmäßig auf den Wegen zwischen Alzenbach, Bitze und dem Nennsberg spazieren. Einen Schwerpunkt für Giftköderanschläge weißt für diesen Bereich auch die Facebookseite "Giftköder Radar für Eitorf und Umgebung" aus. Hier wird bereits im August 2014 über drei Opfer innerhalb von zwei Wochen allein aus der Forsterstraße in Bitze berichtet.
Die Seite mit Warnhinweisen hat Jörn Verch eingerichtet nachdem auch seine Hündin Beja, die die Vergiftung nur knapp überlebte, betroffen war. Seitdem erreichen ihn viele Hinweise auf vergiftete Tiere ebenso wie auf Funde von Giftködern. Sein letzter Hinweis auf Anschläge von Anfang Dezember wurde von mehr als 7.700 Nutzern gelesen, freut sich Verch über die Reichweite der Warnungen. Schwerpunkte für erfolgte Anschläge oder Köderfunde sieht Verch neben dem Bereich Bitze/Alzenbach im Umfeld Huckenbröl/Käsberg, entlang der Sieg und auf dem Weg nach Baleroth. Die Köder seien nach Angabe der Finder oft auch mit Nägeln, Scherben oder Rasierklingen gespickt. In Nashs Fall habe die Tierklinik die schleichende Vergiftung des Collies eher einer weiteren Variante, der Aufnahme von in Wasser gelöstem Gift, zugeschrieben, so Schäfer. Die Diagnose passe auch zu ihrer eigenen Beobachtung von Nashs intensivem Lecken an einer konkreten Stelle während des verhängnisvollen Spaziergangs im Bereich der Biotopflächen in Altebach.
Von den Behörden sehen sich die Hundehalter im Stich gelassen. Bei der Polizei habe man ihr von einer Anzeige abgeraten, so Schäfer, da es sich "nur" um eine Sachbeschädigung handle, eine Zuständigkeit nicht gegeben sei und auch keine Erfolgsaussichten beständen. Auch auf ihre Meldung beim Ordnungsamt sei keine Reaktion erfolgt.
Eine Zuständigkeit sei sowohl im Rahmen von Gefahrenabwehr wie auch der Strafverfolgung sehr wohl gegeben, stellt Hauptkommissar Roland Goy, Leiter der Eitorfer Polizeiwache, auf Nachfrage richtig. Schwierig sei hingegen die Verfolgung solcher Anschläge, erst recht präventive Maßnahmen. Für verstärkte Kontrollgänge sei das Wegenetz zu groß und Angaben meist auch zu unkonkret. Erkenntnisse zu Giftanschlägen lägen der Polizei in Eitorf derzeit aber auch keine vor, ist er sich sicher. Auch seinem Kollegen Uwe Kramer vom Kriminalkommissariat sind keine Vorfälle bekannt.
Beim Ordnungsamt erinnert sich Amtsleiter Hermann Neulen spontan an eine frühere Fundmeldung im Siegpark, der ein Mitarbeiter gemeinsam mit der Polizei im Rahmen der Ordnungspartnerschaften nachgegangen sei, jedoch ohne Erfolg. Auch ein Fall aus Bitze sei gemeldet, auch hier jedoch kein greifbares Ergebnis erzielt worden. Die Problemlage für zielführende Maßnahmen schätzt Neulen ähnlich ein wie Goy.
Tierärztin Dr. Michaela Hümmelchen, behandelnde Ärztin von Nash, sind aktuell auch keine weiteren Vorfälle bekannt, phasenweise seien diese aus ihrer Sicht jedoch beängstigend hoch gewesen. Hümmelchen, die auch Köderfunde entgegen nimmt und zur Untersuchung weiterleitet, empfiehlt Hundehaltern, verdächtige Substanzen stets mit zum Tierarzt zu nehmen. Dies ermögliche vor allem eine gezielte Behandlung.
Schäfer und Wagner frustriert es, dass die Rahmenbedingungen Hundefeinden oft in die Hände spielen. Sie appellieren an alle Hundehalter, Belästigung von Mitbürgern zu vermeiden um unkontrollierten Hass erst gar nicht entstehen zu lassen, unbedingt auf Warnungen zu achten und selbst verdächtige Beobachtungen stets zu melden. Alle Bürger bitten sie dringend, ein verstärktes Augenmerk auf ausgelegte Köder oder verdächtige Personen zu richten.

Gisela Schäfer (re) und Martina Wagner in Nähe der Biotopflächen in Altebach, an dem Rastplatz, an dem Nash das Gift nach Überzeugung seiner Halterin aufgenommen hat. Foto: Deitenbach
Letzte Änderung: Mittwoch, 20.01.2016 09:51 Uhr

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