Köln/Duisburg. Staatsanwaltschaft
Duisburg und Polizei Köln geben bekannt:
Gut zwei Wochen nach dem tragischen Unglück bei der
"Loveparade"
in Duisburg laufen die Ermittlungen dazu auf Hochtouren. Vier
Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Duisburg unter der
Leitung eines Oberstaatsanwaltes sowie eine zwischenzeitlich
über 80-köpfige Ermittlungsgruppe der Polizei sind mit
der Aufgabe betraut, aus der Fülle von unterschiedlichen
Informationen und Hinweisen die Aufklärung der Geschehnisse
vom 24.Juli herbeizuführen. Neben dem durch die
Staatsanwaltschaft Duisburg eingeleiteten Ermittlungsverfahren sind
bis heute weitere 220 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft
Duisburg eingegangen. Sie richten sich im Wesentlichen gegen
Verantwortliche des Veranstalters, der Stadt Duisburg und der
Polizei. "Wir stehen vor einer Flut von Daten",
erläutert Polizeipräsident Klaus Steffenhagen die
aktuelle Situation. "Deshalb haben wir auch die bisher
63-köpfige Ermittlungsgruppe um weitere 20 Beamte aus ganz
Nordrhein-Westfalen verstärkt." Über 50 Terabyte
Datenvolumen haben Spezialisten bis jetzt beim Veranstalter, der
Stadt Duisburg, der Feuerwehr Duisburg und der Polizei
sichergestellt. Das sind Millionen von Dokumenten, die ausgedruckt
tausende Aktenordner füllen würden. Allein die
physikalische Sicherung des Servers, also das Überspielen der
Daten der Stadt Duisburg, womit bereits am 25. Juli begonnen wurde,
dauerte bis zum vergangenen Wochenende an. "Zwar wird nur ein
Teil der Daten verfahrensrelevant sein, aber wir müssen uns
einen Überblick verschaffen und die Spreu vom Weizen
trennen", so der Leiter der Ermittlungsgruppe (EG)
"Loveparade", Kriminaldirektor Stephan Becker (49).
Dagegen wirken die über achtzig Aktenordner mit
sichergestellten Planungs- und Durchführungsunterlagen der
Beteiligten fast übersichtlich. Über 900 Stunden
Videomaterial aus Überwachungskameras insbesondere des
Veranstalters, Beweissicherungsmaterial der Polizei, Handyvideos
von Zeugen, von Medien zur Verfügung gestelltes Material und
Internetveröffentlichungen werden momentan ausgewertet. Das
gilt auch für umfangreiches Fotomaterial, das aus den
unterschiedlichsten Quellen zur Verfügung gestellt wurde. Mehr
als 1.000 Hinweise aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland
sind mittlerweile eingegangen. Alle Hinweise werden auf ihre
Bedeutung für die Ermittlungen der EG "Loveparade"
überprüft. Allen nach dieser Prüfung relevant
erscheinenden Hinweisen wird nachgegangen. Die Polizei weist in
diesem Zusammenhang darauf hin, dass nicht jeder Hinweisgeber
zwangsläufig noch einmal von den Ermittlern kontaktiert wird.
Einige Tipps sind so erschöpfend, dass eine Rückkoppelung
aus verfahrensökonomischen Gründen entfallen kann.
Darüber hinaus sind mehrere hundert Zeugen zu vernehmen und
schon jetzt zeichnet sich ab, dass die individuelle Wahrnehmung ein
und desselben Sachverhalts sich zum Teil völlig
unterschiedlich darstellt. "Wir werden einzelne
Polizeidienststellen an den Wohnorten der Zeugen bitten, uns bei
den Vernehmungen und Befragungen zu unterstützen. Wenn
notwendig, erfolgt eine ergänzende Vernehmung durch die
Ermittlungsgruppe", beschreibt Becker die weitere
Vorgehensweise. Aufgrund der Vielzahl kann das jedoch noch einige
Zeit in Anspruch nehmen. Die Vernehmung der Personen, die auf
Seiten des Veranstalters, der Stadt Duisburg, der Feuerwehr
Duisburg und der Polizei an der Planung und Durchführung der
"Loveparade" beteiligt waren, erfolgt ohnehin durch
die Staatsanwälte und die Ermittlungsgruppe. Die
Komplexität des Ermittlungsverfahrens macht deutlich, dass
diese schwierigen und umfangreichen Ermittlungen Zeit brauchen.
Sorgfalt und Genauigkeit gehen hier vor Schnelligkeit.
10.08.2010 - 11.23 Uhr
Loveparade-Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Letzte Änderung: Dienstag, 10.08.2010 11:33 Uhr
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