Die Dominanz von silbergrau und schwarz beim Autolack soll nach der Prognose der Lackhersteller bald enden. Bis Mitte 1995 liefen hierzulande noch die meisten Autos in roter Lackierung vom Band, dicht gefolgt von Silber, Silbergrau sowie Weiß. Doch ab etwa 1997 übernahm die technisch-kühle Farbe Silber die Führung in der Lackstatistik. Gefolgt von Blautönen und von Schwarz.
Bis heute dominieren statistisch betrachtet die silbergrauen und anthrazitähnlichen Farbtöne. Mit ein Grund dafür: In der Zulassungsstatistik werden die Farbtöne nach der Einstufung im Fahrzeugschein registriert. Und dort findet man unter dem Farbcode 7 die Farbe Grau. Und die umfasst alle grauen, silbernen und leicht abweichende Farbtöne von achatgrau über grüngrau bis zum lupenreinen silbermetallic. Die ersten Anzeichen einer Trendwende sind da: die Farben Rot und die Trendfarbe Weiß holen mächtig auf.
Glaubt man den Lackdesignern von BASF Coatings/Glasurit, dann wird es künftig noch deutlich bunter auf unseren Straßen zugehen. Zum einen liegt das an der besseren Konjunktur und einem daraus abgeleiteten, optimistischen Lebensgefühl, was zu mehr Mut bei der Farbwahl führt.
Zum anderen gibt es auch in der Fahrzeugentwicklung Trends, die nach anderen Farben verlangen. Durch die Entwicklung von pfiffigen Kleinwagen und Elektro-Automobilen mit einer anderen Designausrichtung werden starke und farbkräftige Uni-Lacke wie signalrot, gelb, grün und grau-blau dominanter werden.
Die klassischen Silber- und Schwarztöne werden - etwa für Geschäfts- und Dienstwagen - durch raffinierte Mischungen effektvoller, haptischer. Man möchte das so lackierte Auto anfassen. Der Trend zu erdigen, traditionellen Farbtönen wird dadurch nicht gebremst. Dunkle Braun- und Blautöne präsentieren sich durch raffinierte Farbmischungen noch intensiver und tiefer wirkend.
Bis eine neue Farbe jedoch für die Lackierung freigegeben
wird, vergehen 3 bis 5 Jahre. Lackqualität und
Langzeit-Haltbarkeit werden nach der Absegnung durch die Designer
in aufwändigen Tests und extremer Hitzebestrahlung (Fachjargon
"Arizona-Test") gemartert.
Um nach so langer Zeit mit der Farbe auch dem Trend zu entsprechen,
informieren sich die Auto- und Lackdesigner bei Trend-Shows der
Mode- und Möbelbranche, die der "Auto-Mode" stets
etwas voraus sind. Ein Designer vertraute mir mal an, dass er sogar
auf Trend-Messen der Garnhersteller geht. "Die sind den
Modeherstellern noch ein bis zwei Jahre voraus. Und da sehe ich,
was in fünf Jahren an Farben angesagt ist."
Farben sind zwar Geschmackssache. Doch der spätere Wiederverkauf und der dann erzielte Preis hängen direkt mit der Lackfarbe zusammen.
Wer sein Auto selbst wieder verkauft und es nicht geleast oder als Dienstwagen geordert hat, der kann bei einer allzu mutigen Farbe finanzielle Einbußen erleiden. Auch das ist ein Grund für die bisherige Dominanz der Farbe silbern. Denn die geht immer.




