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Alex We Hillgemann

aus Troisdorf

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Meia und der Kaiserbau

Ein kulturelles Vermächtnis in Erinnerung an die Troisdorfer "Generation Kaiserbau"

Mal wieder etwas über den "Kaiserbau". Warum auch nicht? Er war ja schließlich das Denkmal der Troisdorfer Jugend in den 80er und 90er Jahren sowie das Wahrzeichen von Troisdorf. Und er spaltete die Bevölkerung: die einen liebten, die anderen hassten den grauen, nie vollendeten Betonklotz. Als er am 13. Mai 2001 gesprengt wurde, war dies ein Ereignis, wie es seitdem (und auch lange davor) kein zweites in Troisdorf gab. Eine Fotodokumentation dazu gibt es auf der Website von "Auge & Ohr" (www.auge-und-ohr.de) zu sehen.

Doch warum jetzt schon wieder dieses Thema? Na, wegen "Meia" und seiner Website www.ein-bisschen-meia.de.
Meia (mit bürgerlichem Namen Reiner Meyer) lebt in Troisdorf. 2002 ereilte ihn eine heftige Erkrankung, die sein Leben von Grund auf veränderte. Darüber berichtet er u.a. auch auf seiner o.g. Website - es ist mehr als nur lesenswert! 
Die in den 80er/90er noch recht lebendige Punkszene in und um Troisdorf dünnte sich zunehmend aus. Gründe dafür gab es viele. Seien es gesellschaftliche Veränderungen, politische, persönliche usw. Die Generation Punk kannte keine Langweile, brauchte keinen Luxus, Weichspülermusik, Bevormundung. Die Generation Punk war sowohl politisch aktiv, setzte sich lautstark dem Konsumzwang und sonstigen Zwängen entgegen, denen sich die Gesellschaft nur all' zu gerne kampflos hingab. Ebenso waren Ungerechtigkeit und falsche Verteilung von "Reichtum" - Geld & Macht - ein stets präsentes Thema. Die Punks von damals fielen auf: durch ihr Äußeres, durch ihre Musik, durch ihre politische Einstellung. Die Feten, die seinerzeit im und rund um den "Kaiserbau" stattfanden, waren jedoch mehr von Intellekt, Tiefsinnigkeit und Organisationstalent geprägt, als man das heute noch von der Nachfolgegeneration erwarten könnte - und das: ohne Internet und Handy - ja sogar ohne Telefon! Doch will man gegenwärtigen jungen Generation kein Unrecht tun: die Bildungswege von heute sind nicht mehr mit denen von damals vergleichbar. Knappe Kassen der Länder, fehlende politische Weitsicht, der Kampf um genügend Kindergartenplätze usw. sind nur einige Gründe dafür, warum es immer schwerer wird, sich als junger Mensch in der heutigen Gesellschaft zu behaupten.
Veränderungen, die das digitale Zeitalter mit sich bringen, haben vor allem Einfluss auf die Kommunikation. Die Bedeutung an politischen Botschaften, im Zeitalter von Spähatacken im Internet, verlieren mehr denn je ihren Wahrheitsgehalt. Für die heutige Generation ist es eine besondere Herausforderungen, den Wirrungen dieses Zeitalters zu trotzen und vor allem die persönliche Kommunikation als wertvolles Gut nicht zu vernachlässigen. Möge es ihr gelingen - und das kann es: wenn man die modernen Kommunikationsmittel von heute so einsetzt, wie Meia!

Und nun auch zurück zu Meia: er hat sich in all' den Jahren und langen Zeit mit dem Schreiben von Texten, Büchern und dem Erstellen seiner Website beschäftigt. Erlebnisse, Eindrücke, Fotos, Berichte uvm. Meia erzählt  ungemein lebhaft und fern vom Mainstream. Weder Krankheit, noch eine unbeheizte Wohnung haben ihn davon abgehalten, voller Überzeugung alles niederzuschreiben, was ihm Wichtig war und ist. Meia, der ohne fremde Hilfe seine Wohnung nicht verlassen kann, hat sich nie unterkriegen lassen. Mit völliger Überzeugung, stellt er dar, wie man ein persönliches Schicksal durch das Anzapfen körperlicher und seelischer Kraftreserven meistern kann und der Glaube an sich selbst wieder Oberhand gewinnt. Den Blick völlig nach vorn gerichtet auf neue Ideen, widmet er sich weiter dem Schreiben und gibt seiner Kreativität Ausdruck beim stetigen Ausbau seiner Website. Das sollte vielen anderen Menschen, die das Schicksal im Leben ähnlich hart getroffen hat, Mut machen!

In seiner Website www.ein-bisschen-meia.de steckt ungemein viel Herzblut. Er erweckt die damalige (Punk-)Szene zu Zeiten des "Kaiserbau's" quasi darin wieder zum Leben. Berichte über inbrünstige Aufstände und Proteste gegen Rassismus, AKW's sowie über die damaligen Punkbands mit ihren schrammigen Gitarrenklängen und die Stimmgewalt jener Leadsänger in oftmals kleinen Konzertsälen und stickigen Szenekneipen. Punkkonzerte in dieser Zeit dienten nicht zuletzt nur dazu, um sich den Frust aus der Seele zu schütteln. Sie waren auch ein Ort der Ideenschmiede und Begegnungen. Begegnungen, aus denen Freundschaften entstanden, die bis heute existieren - nach nunmehr über 25 Jahren! Mittelpunkt in Troisdorf war ganz sicherlich der "Kaiserbau". In den Jahren 2002, 2003 und 2004 ließen in drei Ausstellungen einige der ehem. Troisdorfer Punkszene etc. den "Kaiserbau" wieder auferstehen. Viele hätten es nicht gelaubt, aber die "Alten" aus der damaligen Szene hatten es nicht verlernt: auf Worte folgten Taten. Die Aussausstellungen waren ungemein bedeutsam für all' jene aus dieser Zeit, die der Erinnerung an damals geschuldet war und sie weiter am Leben hielt: der Kaiserbau ist tot - es lebe der Kaiserbau!

Meia berichtet eindrucksvoll - unverfälscht und den eigenen Erlebnissen so nahe wie die Unterhose dem Hintern. Ein echter Zeitzeuge der 80er/90er Jahre, wie er kaum noch in Troisdorf zu finden ist. Will man mehr darüber erfahren - aus erster Hand - dann muss man sich seine Website anschauen! Im heutigen Zeitalter liegt es ja ebenso nahe, mit seinem Tablett oder Smartphone ins Bett zu gehen - anstatt mit einem Buch. Also dann, nur zu! Jene, die diese Szene damals mit erlebten und jene, die nur davon erzählt bekamen, sollten www.ein-bisschen-meia.de durchstöbern und in Meia's Welt einmal hineintauchen. Seine Website ist ein kulturelles Vermächtnis an jene Zeit, die ohne Internet, Handy und ja sogar oftmals ohne Telefon auskam. Verständigung war ohne das alles möglich und vielleicht ist gerade deshalb die Erinnerung bei den meisten aus dieser Generation so lebendig. Der "Kaiserbau" steht dafür weiterhin als ihr Symbol.


Ihre Bürgerroporterin Alex We Hillgemann - www.alexografie.de


Linktipp zum Thema "Kaiserbau" - geschrieben von Meia:
http://www.ein-bisschen-meia.de/Startseite/nachtrag/kaiserbau/kaiserbau.html
Letzte Änderung: Donnerstag, 08.10.2015 17:12 Uhr

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